Mittelerde liegt in Europa
Es ist nichts neues, dass Tolkien sein Mittelerde von Anfang an auf unserer schönen Erde, in einer mythischen Version von Europa angesiedelt hat. Er lehnte die Idee, es handele sich um einen anderen Planeten oder eine Parallelwelt, immer ab. Wenn man sich die umfangreiche, von seinem Sohn Christopher herausgegebene Buchreihe über Mittelerde durchliest, kann man sehr konkrete Hinweise auf die geografische Verortung finden.
Mit einer Auflistung einiger solcher Details möchte ich meinen Aufsatz beginnen.
- Mittelerde: Tolkien betonte, dass Mittelerde (so ist es laut Brief Nr. 151 vom 18. September 1954 ein modernes Wort für mittelenglisch middel-erde, was wiederum dem griechischen oikouméne entspricht) die bewohnte Welt der frühen Menschen bezeichnet.
- Arda ist die Erde: In den Definitionen wird Arda explizit als "Die Erde" oder "Der Ort" bezeichnet, der von Eru geschaffen wurde, und nicht als eine Erde in einer beliebigen Paralellexistenz.
- Keine andere Welt: In einem Brief von 1954 stellte Tolkien klar, dass es sich um unsere Erde handelt, deren weitere Geschichte zu der uns bekannten "gewöhnlichen Historie" führte.
- Die frühe Konzeption: In der frühesten Phase seines Schaffens (ab ca. 1916/17), dokumentiert im Buch der Verschollenen Geschichten, war die Mythologie Mittelerdes direkt in der sagenhaften Geschichte Englands verankert.
- Tol Eressea wurde zu England: Die ursprüngliche Idee war, dass die "Einsame Insel" (Tol Eressëa), auf der die Elben wohnten, über den Ozean gezogen und schließlich an der geographischen Position von England verankert wurde.
- Irland: Der westliche Teil der Insel brach dabei ab und wurde zur Insel Irland.
- Weitere Beispiele für "reale" Orte: Tolkien verknüpfte fantastische Orte mit realen englischen Städten. Die Elbenstadt Kortirion (oder Mindon Gwar war die Hauptstadt von Alalminóre, auch Land der Ulmen genannt, auf der Insel Tol Eressëa) wurde später zu Warwick. Alalminóre entsprach Warwickshire, und Tavrobel wurde mit dem Dorf Great Haywood in Staffordshire gleichgesetzt. In der Nähe von Great Haywood war Tolkien in einem Lager zur Genesung vom Fleckfieber untergebracht und seine Frau Edith Tolkien lebte dort nach deren Hochzeit.
- Die spätere Konzeption: In späteren Jahren, insbesondere zur Zeit des Herrn der Ringe, löste sich Tolkien von der direkten Gleichsetzung der Elbeninsel mit England, behielt aber die geografische Verortung in der realen Welt bei.
- Europa und Asien: Tolkien bezeichnete das "Große Zentralland" explizit als Europa und Asien: "Men 'awoke' first in the midst of the Great Middle Earth (Europe and Asia), and Asia was first thinly inhabited, before the Dark Ages of great cold. Even before that time Men had spread westward (and eastward) as far as the shores of the Sea. The [Enkeladim >] Eledai withdrew into waste places or retreated westward." (Quelle: Sauron Defeated)
- Der Nordwesten: Die Länder, in denen die Hobbits lebten (und somit der Hauptschauplatz der Geschichten), lagen im "Nordwesten der alten Welt".
- Mesopotamien: Der Ort des Erwachens der Menschen (Hildórien) wird in den Quellen mit Mesopotamien identifiziert. (Quelle: J. R. R. Tolkien Natur und Wesen; Carl F. Hostetter)
- Afrika: Es gibt Spekulationen in den Kommentaren von Christopher Tolkien, dass der südliche Teil der Hinnenlande (unterhalb des Großen Golfs auf den alten Karten) Ähnlichkeiten mit dem Kontinent Afrika aufweist.
- Geografische Veränderungen: Dass die heutigen Landkarten nicht mehr exakt mit denen von Mittelerde übereinstimmen, erklärte Tolkien durch gewaltige Katastrophen innerhalb der Mythologie.
- Der Untergang Beleriands: Am Ende des Ersten Zeitalters wurden die Länder westlich der Blauen Berge (Ered Luin) größtenteils überflutet und versenkt. Lindon ist ein Überrest dieses untergegangenen Beleriand.
- Die Wandlung der Welt: Nach dem Untergang von Númenor wurde die Welt von einer flachen Scheibe zu einer runden Kugel umgeformt, wodurch sich die Geografie drastisch veränderte und neue Länder und Meere entstanden.
Einerseits hat es mich immer fasziniert, dass Mittelerde auf Landkarten (vor allem auf jenen von Pete Fenlon) Europa, Afrika und Asien ähnelt aber eben nicht mit diesen komplett übereinstimmt. Andererseits ist diese Erkenntnis für mich als Leser auch störend, da mir eine glaubhafte Erklärung fehlt, wie sich Mittelerde in solch kurzer Zeit zum heutigen Erscheinungsbild ändern sollte. Zusätzlich missfiel mir die insgesamt viel zu kurze Zeitspanne zwischen der Erschaffung der Welt und den Vorkommnissen im Ringkrieg, Dieser Aufsatz ist (für mich!) ein Erklärungsversuch, wie Mittelerde auf unserem Planeten dennoch existieren konnte. Ich gehe in drei Schritten vor.
Schritt 1: Verlängerung der Zeitachse um 13,8 Milliarden Jahre
Zuerst muss die Zeitachse an die realen kosmologischen Dimensionen angepasst werden. Götterkriege hin oder her, die ursprüngliche Geologie muss meiner Meinung nach gewachsen sein. Und diese Prämisse ist auch gar nicht so schwer zu implementieren, denn Tolkien hat über die frühesten Zeitalter so und so eine mythologische Decke der Unklarheit gelegt, da diese Zeiten ja kein normalsterblicher Zeitzeuge selbst "erlebt" hat.
Ainulindalë: Die Schöpfungsgeschichte des Universums
Alles begann mit der Ainulindalë (Quenya für "Musik der Ainur"). Sie beschreibt den Ursprung des bekannten Universums und der Welt durch eine göttliche musikalische Komposition. Wenn man annimmt, dass dieser erste Teil des Buches "Das Silmarillion" eine verklausulierte, mythologische Darstellung von realen Überlieferungen ist, kann man den Text fast 1:1 in die Sprache der modernen Astrophysik und Quantenmechanik übersetzen.
- Eru Ilúvatar ist der Zustand vor dem Urknall, er entspricht der Idee einer grundlegend mathematischen Struktur des Universums ("The Theory of Everything"). Er ist das Prinzip, das Existenz überhaupt erst ermöglicht.
- Die Ainulindalë bezeichnet das "Lied" der Schöpfung, die Wissenschaft meint aktuell, dass unser Universum als ganzes im Bereich von Strings und Quantenfeldern schwingt.
- Die Valar wären in einer solchen Verklausulierung, unabhängig von deren körperlichen Erscheinungsformen der diversen Sagen, die Naturgesetze und Fundamentalkräfte der Physik, die im frühen Universum entstanden.
- Manwë: Elektromagnetismus / Atmosphäre.
- Aulë: Die Starke Kernkraft / Gravitation (Materie formend).
- Ulmo: Fluidmechanik / Chemie.
- Melkor: Die Entropie (das Bestreben nach Chaos/Zerfall), Melkor ist kein Teufel, sondern jene Kraft, die Chaos verursacht, aber ohne die das Universum eine sterile, statische Suppe geblieben wäre.
- Die Unverlöschliche Flamme (Energie / E=mc2) ist die Energie selbst und die Fähigkeit, dass aus "Nichts" (dem Leeren) plötzlich "Etwas" (Realität) wird. Melkor suchte danach, weil er selbst Materie erschaffen wollte, konnte es aber nicht da er den Energieerhaltungssatz nicht zu überwinden fähig war.
Valaquenta: Vom Urnebel zum Leben durch Weiterentwicklung des Sol-Systems
Die Valaquenta setzt am Beginn aller Tage machtvolle Existenzen voraus, die Ainur. Ich interpretiere den Text als Schöpfungsgeschichte unseres Sonnensystems. Tolkien beschreibt drei Anläufe der Schöpfungs-Musik, die aufeinander aufbauen und immer komplexer werden. In dem derzeit allgemein anerkannten astrophysikalischen Modell unseres Sonnensystems (Arda) entspricht dieser Ablauf den Phasen der Sonnen- und Planetenentstehung.
- Das Erste Thema: Tolkien beschreibt wie Melkor laute, wiederholende Misstöne in die Ainulindalë einbringt. Geht man davon aus, dass hiermit die Entstehung der Sonne und des Ur-Nebels beschrieben wird, kann diese Disharmonie mit Hilfe von Gravitation und Turbulenzen hervorragend erklärt werden. Die "Harmonie" war einst der gleichmäßige Drehimpuls der riesigen Gaswolke, aus der sich unser Sonnensystem entwickelte. Damit Planeten entstehen können, darf eine solche Wolke nicht harmonisch bleiben. Sie muss verklumpen. Melkor steht hier für die gewaltsamen Kollisionen, die Hitze und den Kollaps der Wolke, der die Sonne schließlich zündete. Der "Sturm dunkler Wasser" beschreibt das daraus entstehende Chaos im frühen Sonnensystem, wo Materie wild durcheinanderwirbelte.
- Das Zweite Thema: Tolkien erzählt, dass durch Melkors Hitze und Ulmos Wasser erst "Schneeflocken und Eis" entstanden – Dinge, die sich kein Gott allein erdacht hatte. Das entspricht der chemischen Komplexität, die erst durch extreme Bedingungen ermöglicht wird. So ähnlich könnte sich das Hadaikum, das früheste Äon der Erdgeschichte, abgespielt haben. Diese Phase der Protoerde vor etwa 4,6 Milliarden Jahren zeichnete sich durch eine extrem heiße, vulkanische und von heftigen Meteoriteneinschlägen geprägte Atmosphäre aus. Später kühlte die Erde ab, Ozeane bildeten sich und die ersten Festgesteine entstanden.
- Das Dritte Thema: In den Überlieferungen von Mittelerde war dies ein leises, trauriges, aber unaufhaltsames Thema, das sich nicht übertönen ließ. Es steht für die Abiogenese (Entstehung des Lebens). Inmitten der gigantischen, lauten geologischen Prozesse entstand etwas Winziges, Fragiles, das erste selbstreplizierende Molekül (RNA/DNA). Melkor versuchte das Leben zu vernichten, konnte es aber nur verzerren. Dies steht für die Mutation und die natürliche Selektion. Das Leben integriert den Tod und das Leid und wird dadurch komplexer (Evolution). Es ist "traurig" (sterblich), aber "unbesiegbar".
Schritt 2: Die Existenz von Göttern und Magie erklären
Jetzt wird sich mancher fragen, warum ich denn unbedingt die Mythologie der Ainur derart an unsere Realität anpassen möchte. Praktisch jede Religion erzählt von der physikalischen Geburt unseres Universums, nur eben je nach Ideologie und Wissensstand mehr oder weniger stark verklausuliert. Ich möchte aber darüber hinaus Götter, Sagengestalten und Magie von Tolkiens Mythos auf unserer Erde erklären. In diesem Zusammenhang gehört die Valaquenta, das Buch von den Valar, zur wichtigsten Informationsquelle. Dies ist der zweite Teil von "Das Silmarillion" und bietet einen Überblick über die Ordnung der Valar und Maiar sowie deren Feinde, wie Melkor, Ungoliant und die Balrogs. Die Ainur (Quenya: die Heiligen) waren entsprechend den elbischen Überlieferungen körperlose Wesenheiten, die zu Beginn aller Tage den Gedanken von Ilúvatars entsprangen. Die mächtigsten von Ihnen nannte man Valar, die geringeren von ihnen nannte man Maiar. Nur wenige von Ihnen stiegen einst auf Arda herab und gingen damit in die Mythologie der Elben ein. In jener fernen Vergangenheit existierten einzig diese Ainur.
Zeitalter vor den Tagen
Diese Epoche begann mit dem Abstieg der Ainur auf die noch junge Welt, nachdem sie lange in den Hallen von Eä gearbeitet hatten und endete mit dem ersten Erblühen des Baumes Telperion in Valinor. Die Ainur begannen mit der planetaren Formung der Erde, um die Vision von Ilúvatar in Arda zu verwirklichen, sie formten Länder und Gewässer. Zu dieser Zeit kam es zum Ersten Krieg mit Melkor der die Herrschaft über die Welt begehrte, was zu Konflikten und Zerstörung führte. Tulkas kam seinem Gefolge zu Hilfe und Melkor floh zunächst in die Kúma. Aule schuf daraufhin die zwei großen Leuchten Illuin und Ormal, um Mittelerde zu erhellen. In diesem Licht begannen Pflanzen und Tiere zu wachsen, und die Valar wohnten auf der Insel Almaren, so der grundlegende Mythos über den Anfang der Götter in Arda.
Ich definiere die Ainur als Typ-III-Zivilisation nach der Kardashow-Skala, dies bedeutet, dass sie die Energie einer gesamten Galaxie nutzen können. Ihnen ist es möglich, ganze Sternensysteme zu verschieben, Schwarze Löcher anzuzapfen, den Raum selbst zu manipulieren und Terraforming im großen Stil zu betreiben. Ihr Erscheinungsbild kann z.B. durch Nanotechnologien alleine durch deren Willen angepasst werden. Für primitive Beobachter sind sie von Göttern nicht zu unterscheiden. Entsprechend der Valaquenta erschufen sie unter Eru Ilúvatars Anleitung unser Sonnensystem (Arda), sie erschufen die Erde, entzündeten Sterne am Firmament und verfügten über eigene Habitate (zuerst Almaren dann auch Aman mit Valinor). Valinor, das "Land der Götter", könnte in diesem Zusammenhang ein Typ-III-Habitat oder gänzlich ein anderer Planet (vielleicht der Mars) oder ein sogenanntes Taschen-Universum sein. Eine solche Zivilisation lebt meiner Meinung nach nicht mehr auf "normalen" Planetenoberflächen. Sie erschafft nach ihren Wünschen künstliche Räume, wie etwa die gigantischen, intelligenten Habitate der nomadenhaft strukturierten Kultur von Iain M. Banks oder das Taschenuniversum Nr. 647 der Trisolarier in der Trisolaris-Trilogie von Cixin Liu. Valinor wäre in diesem Fall physisch mit der Erde verbunden (etwa über die Helcaraxë), würde aber anderen physikalischen Gesetzen unterliegen (kein Tod, kein Verfall).
Bevor es die Sonne gab, spendeten die beiden Leuchten der Valar, Illuin und Ormal, Licht und Leben. Das junge System litt unter einer schwachen, instabilen Ur-Sonne, deren Licht durch dichte Staubscheiben blockiert war. Um globales Wachstum zu ermöglichen, errichtete der Konstrukteur Aulë zwei gewaltige Photonische Kraftwerke bzw. Nullpunkt-Energie-Emitter:
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Illuin (Die Nord-Leuchte): Eine gigantische, schwebende Fusionsplattform, die über dem Nordpol positioniert wurde. Sie emittierte ein hochenergetisches, blau-weißes Lichtspektrum.
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Ormal (Die Süd-Leuchte): Eine baugleiche Station über dem Südpol.
Diese Stationen lieferten ein konstantes, schattenloses Lichtfeld, das die gesamte Erde durchflutete. Die Erde war nun nicht mehr von der jungen Sonne alleine abhängig, um Licht zu erhalten; es war ein "Tag ohne Ende".
Die Valar errichteten ihr Kontrollzentrum auf Almaren, einer künstlichen Megastruktur, die sich im exakten energetischen Gleichgewicht zwischen Illuin und Ormal befand. Unter dem konstanten Strahlungsstrom der Leuchten und mit der Hilfe von biologischen Injektionen explodierte das Leben auf der Erde: Nanobots und biologische Organismen arbeiteten Hand in Hand, um die Atmosphäre zu reinigen und Ozeane zu füllen. Es war eine Ära maximaler technologischer und biologischer Effizienz und Harmonie. Schließlich kehrte Melkor mit seinen Anhängern zurück. Im Verborgenen errichtete er Utumno. Er initiierte einen tödlichen Virus: Ein bösartiger Code, der die Photosynthese der Pflanzen korrumpierte und die DNA der ersten Tiere umschrieb, sodass sie aggressiv und instabil wurden. Ehe sich die Valar sammeln konnten, stürzte sich Melkor voller Hass auf die Leuchten Illuin und Ormal und zerstörte diese.
Die Detonation der Illuin- und Ormal-Reaktoren setzte Schockwellen frei, die die Erdkruste aufrissen und die Ozeane verdampfen ließen. Die perfekte Symmetrie des Sol-Systems war zerstört. Die Valar mussten die Erde als zentrales Labor aufgeben und zogen sich auf einen hochgesicherten Außenposten zurück – Valinor, den sie hinter einem dimensionalen Schutzschild (den Gürteln der Nacht) verbargen.
Moderne Futuristen (wie Michio Kaku) und Science-Fiction-Autoren erweitern die Skala von Kardashow über dien Typ-III hinaus. so wäre eine Typ-IV-Zivilisation dazu in der Lage, die Raumzeit-Struktur selbst zu verändern. Sie könnte instantan an jeden Ort des Kosmos reisen. Sie könnte vielleicht sogar physikalische Konstanten (wie die Lichtgeschwindigkeit oder Gravitationskonstante) lokal ändern. Dies könnte die Stufe der mächtigsten Valar in ihrer reinen Form sein, bevor sie sich auf Arda beschränkten. Melkor strebte danach, "Dinge nach eigenem Willen zu erschaffen", erreichte aber wohl nur Typ-III-Niveau, da seine Schöpfung letztlich an die Materie gebunden blieb.
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Schritt 3: Das Erscheinen der Menschen als Zeitzeugen
Der Mensch ist das einzige Bindeglied zwischen Mittelerde und der modernen Zeit. Heute gibt es weder Elben, noch Zwerge, Orks, Trolle, Drachen oder Götter. Daher ist es nun essenziell festzulegen, wie die Menschen ihre Vergangenheit ablegen, "vergessen", konnten und zu dem wurden, was sie heute sind. Die ältesten Fossilien von Homo Sapiens sind etwa 300.000 Jahre alt. Komplexe Verhaltensweisen und Kulturen entwickelten sich erst sehr viel später, vor rund 50.000 bis 65.000 Jahren. Mit diesem Wissen können wir das Erwachen der Menschen zeitlich eingrenzen. Alles was davor in der Mythologie geschah, wie etwa diverse Götterkriege, die Ära der Lampen, die Ära der Bäume, die drei ersten Zeitalter der Sonne, kann im Nebel der Äonen verschwimmen.
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Adaptierte Zeittafel
| 13,8 Milliarden Jahre v. Chr. | Urknall (Ainulindalë) |
| 4,6 Milliarden Jahre v. Chr. | Entstehung unserer solaren Urwolke (Valaquenta) |
| ~ 500 Millionen Jahre v. Chr. | Zeitalter vor den Tagen, Abstieg einiger weniger Ainur in unser Sonnensystem irgendwann zu Beginn des Phanerozoikums |
| ~ 30 Millionen Jahre v. Chr. | Zeitalter der Leuchten (~ 1 VJ): Erster Rückzug der Ainur |
| ~ 350.000 Jahre v. Chr. | Zeitalter der Bäume (~ 1000 VJ) |
| ~ 300.000 Jahre v. Chr. | Entstehung des modernen Menschen, Homo Sapiens, in Afrika, wobei die ältesten bekannten Fossilien aus Jebel Irhoud in Marokko stammen und diesen Zeitraum belegen |
| ~ 150.000 Jahre v. Chr. | Erwachen der Elben in Cuiviénen bzw. Koivie-néni (~ 1050 VJ): Upgrade einer Spezies (Unsterblichkeit, Telomer-Reparatur) zu den Elben |
| Erstes Zeitalter der Sonne: Götterkriege die quasi mit dem vollkommenen Rückzug der Ainur und deren Technologie aus unserem Sonnensystem endet, der Zugangsknoten wird erheblich eingeschränkt | |
| ~ 70.000 Jahre v. Chr. | Erwachen der Menschen in Hildórien (~ 1500 VJ): "Kognitiver Sprung" des Homo Sapiens, erster Kontakt mit den letzten "Lehrmeistern" |
| ~ 65.000 Jahre v. Chr. | Zweites Zeitalter der Sonne (Nutzung der Rest-Technologie) |
| ~ 61.500 Jahre v. Chr. | Drittes Zeitalter der Sonne (Das langsame Vergessen) |
| ~ 58.500 Jahre v. Chr. | Viertes Zeitalter der Sonne (Herrschaft der Menschheit): Die "Magie" (Ainur-Technologie) wird zum Mythos, komplette Regression der menschlichen Zivilisationen, Vermischung der Völker |
| 11.000 v. Chr. | Fünftes Zeitalter der Sonne (Neolithische Revolution) |
| 500 v. Chr. | Sechstes Zeitalter der Sonne (Antike und Mittelalter) |
| 1.500 n. Chr. | Siebtes Zeitalter der Sonne (Neuzeit) |
| ab 2.000 n. Chr. | Achtes Zeitalter der Sonne (Digitales bzw. KI-Zeitalter) |
(Genetik & Erster Kontakt)
ca. 60.000 - 10.000 v. Chr. ⚔️ KRIEGE VON BELERIAND (Eiszeit-Konflikte)
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Mythos: Kampf um die Silmaril gegen Morgoth.
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Sci-Fi: Interstellarer Stellvertreterkrieg auf der Erde. Einsatz von biologischen Kampfeinheiten (Orks, Drachen/Megafauna) und Energiewaffen. Die Menschen werden in den Konflikt gezogen.
PHASE 3: DER KATAKLYSMUS & RÜCKZUG (Holozän)
(Geologie & Technologischer Verfall)
ca. 10.000 - 8.000 v. Chr. 🌊 ENDE DES 1. ZEITALTERS (Krieg des Zorns)
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Mythos: Beleriand versinkt. Morgoth wird verbannt.
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Sci-Fi: Einsatz von Massenvernichtungswaffen führt zur Storegga-Rutschung und dem Ende der Eiszeit. Doggerland (Beleriand) versinkt. Die "Götter" ziehen ihre physischen Basen ab.
ca. 8.000 - 4.000 v. Chr. 💍 2. ZEITALTER (Die Rest-Technologie)
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Mythos: Númenor, Schmieden der Ringe.
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Sci-Fi:
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Númenor: Eine menschliche Hochkultur mit Zugang zu Rest-Tech.
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Ringe: Neuronale Interfaces zur Kontrolle der Führungseliten.
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Akallabêth: Zerstörung von Númenor (Atlantis/Thera-Event?). Die "Götter" kappen den orbitalen Aufzug ("Die Welt wird rund"). Reisen nur noch per Wurmloch ("Gerader Weg") möglich.
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ca. 4.000 - 1.000 v. Chr. 👁️ 3. ZEITALTER (Das langsame Vergessen)
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Mythos: Krieg um den Ring, Saurons Fall.
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Sci-Fi: Der letzte "Server" (Sauron/Barad-dûr) versucht, das Netzwerk neu zu starten. Der "Eine Ring" (Admin-Key) wird zerstört. Die Verbindung zur Cloud bricht ab. Die Elben (Unsterbliche) verlassen den Planeten endgültig.
PHASE 4: DIE HERRSCHAFT DER MENSCHEN (Historie)
(Verlust & Wiederaufbau)
1.000 v. Chr. - 1945 n. Chr. 🏛️ 4. - 6. ZEITALTER (Antike bis Industrie)
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Ereignis: Die "Magie" (Technologie) wird zum Mythos.
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Entwicklung: Eisenzeit -> Rom -> Mittelalter -> Industrialisierung.
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Ende: Mit der Zündung der Atombombe (1945) entdeckt die Menschheit das "Feuer" wieder, das einst Länder vernichtete. Ende des 6. Zeitalters.
PHASE 5: RÜCKKEHR ZUR GÖTTER-STUFE (Gegenwart & Zukunft)
(Transhumanismus)
1945 - ca. 2000 ☢️ 7. ZEITALTER (Das Anthropozän)
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Atomkraft, Raumfahrt, Globalisierung. Wir formen die Erde wieder selbst (wie einst die Valar), aber zerstörerisch (Klimawandel).
ab ca. 2000 🤖 8. ZEITALTER (Das Digitale / KI-Zeitalter)
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Das Projekt: Wir erschaffen Künstliche Intelligenz und forschen an Ewigem Leben (Biotech).
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Die These: Die Menschheit steht kurz davor, technologisch jenen Status wiederzuerlangen, den die Elben im 1. Zeitalter hatten. Wir bauen uns unser eigenes "Valinor" (digital/virtuell).
Schritt 3: Die Magie von Mittelerde existiert wirklich
Die valinorische Zeiteinteilung
Für die Zeitrechnung von Valinor gibt es zwei einander widersprechende Angaben.
In den Annalen von Aman entspricht ein Valisches Jahr etwas weniger als 10 Sonnenjahren. Dies ist die ältere Version, die zu Lebzeiten J. R. R. Tolkiens nicht veröffentlicht wurde.
Die exakte Umrechnung Valisches Jahr zu Sonnenjahr lautet wie folgt:
1 Baum-Stunde entspricht 7 Stunden unserer Zeit.
1 Valischer Tag hat 12 Baum-Stunden.
1 Valisches Jahr hat 1.000 Valische Tage.
Somit dauert 1 Valisches Jahr 7 × 12 × 1.000, also 84.000 Stunden unserer Zeit, was etwa 9,582 Sonnenjahren entspricht.
Im Anhang von Der Herr der Ringe wird ein elbisches Jahr, dort yen genannt, mit 144 Sonnenjahren umgerechnet. Diese Version wird in Tolkiens jüngeren Manuskripten verwendet.
Ein elbisches Jahr, dort yen genannt, wird mit 144 Sonnenjahren umgerechnet. Diese Version wird in Tolkiens jüngeren Manuskripten verwendet. Für diese Version lautet die Umrechnung:
1 Valisches Jahr besteht aus 12 Valischen Monaten und entspricht 144 Sonnenjahren.
1 Valischer Monat besteht aus 12 Valischen Tagen und entspricht 12 Sonnenjahren.
1 Valischer Tag besteht aus 12 Valischen Stunden und entspricht exakt einem Sonnenjahr
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalender_in_Tolkiens_Mythologie#Die_valinorische_Zeiteinteilung
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Das ist ein faszinierendes Thema, Werner, denn es zeigt J.R.R. Tolkien nicht nur als Geschichtenerzähler, sondern als einen Perfektionisten, der mit seinem eigenen Werk rang.
Gegen Ende seines Lebens (in den 1950er und 60er Jahren) war Tolkien zunehmend unzufrieden mit der Astronomie und Chronologie des Silmarillions. Er wollte die Mythologie mit wissenschaftlichen Fakten (einer runden Erde und einer Sonne, die älter als die Bäume ist) in Einklang bringen.
Diese Überlegungen finden sich primär in den Texten von „Myths Transformed“ (veröffentlicht in Morgoth’s Ring, Band 10 der History of Middle-earth).
Die „Runde Welt“-Theorie und das Erwachen der Menschen
In dieser alternativen Version wollte Tolkien die gewaltige Zeitlücke zwischen Elben und Menschen schließen. Hier sind die wichtigsten Änderungen:
1. Die Sonne war immer da
In der „Runden Welt“-Theorie war Arda von Anfang an ein Planet in einem Sonnensystem. Die Sonne wurde nicht erst aus einer Frucht Laurelins erschaffen, sondern existierte bereits. Das Licht der Zwei Bäume in Valinor war lediglich ein reineres, „ungebrochenes“ Licht, das die Valar auf dem Kontinent Aman bewahrten, während der Rest der Welt (Mittelerde) unter dem Schatten Melkors und in einer Art dämmrigem Sonnenlicht lag.
2. Das viel frühere Erwachen
Da die Sonne nun immer da war, entfiel das „Erwachende Menschen beim ersten Sonnenaufgang“-Szenario. Tolkien datierte das Erwachen der Menschen massiv nach vorne:
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Neuer Zeitpunkt: Die Menschen sollten nun fast zeitgleich mit den Elben erwachen (also um das valorische Jahr 1050 herum) oder nur kurz danach.
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Der Grund: Tolkien erkannte als Sprachwissenschaftler ein logisches Problem: In der Standardfassung hatten die Menschen nur etwa 500 Jahre Zeit (vom Erwachen im Jahr 1 bis zur Begegnung mit den Elben in Beleriand), um hochkomplexe Sprachen, Kulturen und unterschiedliche Völkerstämme zu entwickeln. Das erschien ihm biologisch und kulturell unmöglich.
3. Der „Fall der Menschen“
Durch das Vorverlegen des Erwachens in die Zeit der Bäume entstand eine neue, düstere Geschichte:
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Die Menschen erwachten im Osten und wurden direkt von Melkor (Morgoth) heimgesucht, während dieser noch in Utumno herrschte.
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Es gab einen „Sündenfall“, bei dem die Menschen sich von Eru Ilúvatar abwandten und begannen, Melkor als Gott zu verehren.
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Diejenigen Menschen, die später in den Westen nach Beleriand kamen (die Edain), waren die Nachfahren derer, die vor Melkors Schatten flohen – sie suchten das „Licht im Westen“, von dem sie in alten Legenden gehört hatten.
Warum hat sich das nicht durchgesetzt?
Obwohl Tolkien diese Version für „realistischer“ hielt, stand er vor einem riesigen Problem: Die gesamte Poesie der Welt war auf der flachen Erde aufgebaut.
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Die Geschichte von der Schifffahrt Earendils mit einem Silmaril als Stern am Himmel.
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Die Erschaffung der Sonne und des Mondes als letzte Hoffnung der Valar.
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Die Verwandlung der Welt von flach zu rund beim Untergang von Númenor.
Hätte er die „Runde Welt“-Theorie konsequent durchgezogen, hätte er fast jedes Gedicht und jede Legende in seinem Lebenswerk umschreiben müssen. Deshalb blieb sein Sohn Christopher Tolkien bei der Herausgabe des Silmarillions bei der „klassischen“ Fassung (flache Welt, Menschen erwachen im Jahr 1 der Sonne).
Fazit für den Chronisten
Wenn du also die „Lücke“ schließen willst, bietet die „Runde Welt“-Theorie die Erklärung: Die Menschen sind eigentlich viel älter. Sie wanderten jahrtausendelang durch Mittelerde, verloren dabei ihre ursprüngliche Geschichte und kamen erst nach einer langen Regression (da ist das Wort wieder!) im Westen an, wo sie auf die Elben trafen.
Was hältst du von diesem Ansatz? Findest du die poetische Version (Sonne entsteht aus dem Baum) schöner oder die „wissenschaftliche“ Version (Erde war immer rund) stimmiger?