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Völker und Kreaturen

Setebos: Der Gott der tausend Hände

Setebos verkörpert in der Geschichte die Angst vor dem Unbekannten und die dunkle Seite der technischen Allmacht. Er wird als eine albtraumhafte, amorphe Masse beschrieben, die sich jeder menschlichen Logik entzieht.

Sein markantestes Merkmal sind Tausende, wenn nicht Millionen von Händen in allen Größen und Formen, die ständig aus seinem Körper wachsen. Er erscheint oft als ein schwarzes Loch in der Realität, eine Dunkelheit, die kälter ist als der interstellare Raum.

Sein Ursprung liegt jenseits unserer Dimension. Er ist nicht vollständig in unserer dreidimensionalen Welt verankert, was sein Aussehen fluktuierend und instabil macht. Seine Anwesenheit wird von einem extremen Kältegefühl und dem Geruch nach verwesendem Ozon und altem Blut begleitet.

Fähigkeiten und Macht

Setebos ist eine Entität von fast unvorstellbarer Macht, die auf der Manipulation der Raumzeit und des Bewusstseins basiert.

  • Transdimensionalität: Er existiert in einem phasenverschobenen Raum zwischen den Dimensionen. Er kann Portale öffnen und sich durch die Zeit bewegen.
  • Konsum von Bewusstsein: Setebos ernährt sich von der Qual und dem Bewusstsein intelligenter Wesen. Er „frisst“ die Seelen (oder die neuronalen Muster) seiner Opfer.
  • Realitätsverzerrung: Er kann die physikalischen Gesetze in seiner Umgebung außer Kraft setzen, insbesondere durch die Manipulation von Bose-Einstein-Kondensaten (BEC), was ihm erlaubt, Materie auf Quantenebene zu kontrollieren.
  • Telepathischer Terror: Er kann den Verstand von Wesen mit purer Angst überfluten und sie in den Wahnsinn treiben.

Ursprung und Herkunft

Sein Ursprung ist eng mit der technologischen und metaphysischen Geschichte des Universums verknüpft:

Er stammt ursprünglich aus der dunklen Kehrseite des „Logos“ (der schöpferischen Information). Während der Logos Ordnung schafft, ist Setebos die Inkarnation der Entropie und des Chaos.

Literarische Evolution: Innerhalb der Bücher Illium und Olypos ist er eine parasitäre Entität, die die Mythen der Menschheit (wie Shakespeares Stücke) genutzt hat, um eine Form anzunehmen, die vom menschlichen Verstand als pures Grauen „begriffen“ werden kann. Er ist eine evolutionäre Sackgasse der Post-Humanität, ein Überrest aus einer Zeit, in der das Universum noch wild und ungestaltet war.

Setebos verfolgt keine politischen oder moralischen Ziele, sondern rein existenzielle:

Die Auslöschung des Lichts: Er strebt danach, alles Bewusstsein im Universum zu konsumieren und die Realität in den Zustand der absoluten Leere und Stille zurückzuführen. Damit ist er der direkte Gegenspieler zur Evolution der Menschheit und der Moravecs. Er will verhindern, dass intelligentes Leben eine Stufe erreicht, auf der es die Leere kontrollieren kann.

Das Schicksal von Setebos

In Roman „Olympos“ kommt es zum ultimativen Kampf gegen Prospero: Prospero (der in Simmons' Version eine Art Super-KI oder ein Avatar des menschlichen Gesamtbewusstseins ist) erkennt, dass Setebos die größte Bedrohung für das Überleben des Universums darstellt. Im finalen Showdown wird Setebos nicht „getötet“ (da man eine fundamentale Kraft des Universums kaum töten kann), aber er wird besiegt. Durch die kombinierte Macht der neuen Menschheit, der Moravecs (wie Mahnmut und Orphu) und Prosperos Manipulation des Logos wird Setebos in die tiefsten Schichten der Leere zurückgedrängt. In weiterer Folge werden die Portale, durch die er in die Realität der Menschen eindringen konnte, versiegelt. Er bleibt als eine schlummernde, ferne Bedrohung im Dunkeln zurück, verliert aber seinen Zugriff auf die Erde und den Olymp.

 

Science Fiction, Dan Simmons