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Völker und Kreaturen

Caliban und die Calibani

Caliban ist ein Produkt der Post-Humanen (jene Menschen in Simmons' Werk, die sich durch Technologie und Gentechnik in gottgleiche Wesen verwandelten). Er wurde in den Laboren der "Gunst der Götter"-Ära als eine Art biologische Waffe oder "Sicherheitsmaßnahme" erschaffen. 

Die Calibani (die Pluralform) sind im Grunde massengefertigte, etwas schwächere Klone oder Ableger des ursprünglichen Caliban. Sie wurden erschaffen, um als Diener und Krieger für das Entität-Wesen Setebos zu dienen.

Ursprünglich dienten sie den Post-Humanen als Wächter der "Stille" (The Quiet), einer Dimension zwischen den Realitäten. Später, als die Post-Humanen verschwanden oder sich zurückzogen, wurden sie zu den Werkzeugen von Setebos. Ihr Zweck war es, die verbliebenen "alten Menschen" auf der Erde in Angst und Schrecken zu versetzen und jeglichen technologischen oder intellektuellen Aufstieg der Menschheit im Keim zu ersticken.

Caliban

Dan Simmons nutzt Shakespeares Der Sturm (The Tempest) nicht nur als Namensgeber, sondern als thematisches Grundgerüst. In Shakespeares Werk ist Caliban der „deformierte Sklave“, der rechtmäßige Erbe der Insel, dessen Mutter die Hexe Sycorax war. Er wird von Prospero unterworfen.

In Ilium und Olympos wird dieses Verhältnis auf eine kosmische Ebene gehoben:

Während Shakespeares Caliban das „Wilde/Ungezähmte“ gegen Prosperos „Zivilisation/Magie“ verkörpert, steht Simmons' Caliban für die biologische Degeneration und das Grauen aus der „Stille“ (The Quiet). Prospero hingegen ist in den Romanen eine Art planetare KI, die das Wissen und die Ordnung der alten Welt bewahren will.

In der literarischen Vorlage betet Caliban den Gott Setebos an. Simmons macht daraus eine physische Realität: Setebos ist eine monströse Entität aus einer anderen Dimension, und Caliban ist sein fleischgewordenes Werkzeug auf der Erde. Genau wie bei Shakespeare ist Caliban ein Wesen, das nach Freiheit giert, aber nur Zerstörung kennt. Er ist ein Sklave seiner eigenen Gene und der Befehle seines Meisters Setebos.

Caliban versucht, die Moravecs durch telepathische Projektion von Angst zu destabilisieren. Doch die Moravecs, deren Bewusstsein auf harten Logik-Gattern und künstlichen neuronalen Netzen basiert, sind gegen diese Art von "biologischem Grauen" weitgehend immun. Das frustriert Caliban zutiefst.

Caliban wird als eine groteske, asymmetrische Abscheulichkeit beschrieben. Er ist eine Mischung aus organischem Fleisch und unheimlicher Quanten-Technologie. Neben seiner übermenschlichen Kraft besitzt Caliban die Fähigkeit zwischen der physischen Welt und einer Parallel-Dimension hin und her zu wechseln. Das macht ihn für herkömmliche Waffen fast unangreifbar, da er Kugeln oder Schlägen einfach "ausweicht", indem er sich kurzzeitig phasenverschiebt.

  • Statur: Massig und bucklig, aber von einer schrecklichen, raubtierhaften Schnelligkeit. Er wirkt oft "verschwommen" an den Rändern, da er teilweise in der "Stille" existiert.
  • Haut: Seine Haut gleicht gegerbtem, dunklem Leder oder nassem Gummi, oft übersät mit Pusteln und Sensoren.
  • Gliedmaßen: Er besitzt eine unbestimmte Anzahl an Extremitäten. Neben muskulösen Armen hat er oft zusätzliche, spinnenartige Auswüchse, die aus seinem Rücken oder seinen Flanken brechen können.
  • Gesicht: Ein Albtraum aus mehreren Augen (oft rot leuchtend oder milchig weiß) und einem Maul voller nadelspitzer, unregelmäßiger Zähne. Sein Atem riecht nach Ozon, Verwesung und altem Moschus.

Ziele und Ängste

Calibans primäres Ziel ist die Unterwerfung der Erde unter den Willen von Setebos. Er ist ein Jäger und Sadist; er genießt das Leid der "alten Menschen" (wie Harman oder Ada). Er möchte die Ordnung von Setebos aufrechterhalten, die auf Chaos und dem Ende des Bewusstseins basiert.

Caliban fürchtet Prospero (die KI-Entität, die die BIOS-Sphäre der Erde repräsentiert). Prospero ist sein direktes Gegenstück – Ordnung gegen Calibans Chaos. Zudem fürchtet er Lichtquellen oder Waffen, die auf Quanten-Ebene operieren und ihn in der physischen Realität "festnageln" können.

In Olympos wendet sich das Blatt gegen Caliban. Während die Menschen und Moravecs lernen, die Technologie der Post-Humanen zu verstehen und gegen die Monster der Stille einzusetzen, verliert Caliban seine Unantastbarkeit.

Sein Ende: Im großen Finale wird Caliban konfrontiert, als die Verbindung zwischen der Erde und der Stille (und damit Setebos) geschwächt wird. Er wird schließlich von den vereinten Kräften der Protagonisten besiegt – nicht nur durch physische Gewalt, sondern durch die Zerstörung der Quanten-Anker, die ihn existieren ließen. Der Kampf ändert sich grundlegend, als die Moravecs beginnen, mit Prospero zusammenzuarbeiten. Technologie-Synergie: Prospero liefert den Moravecs die nötigen "Frequenzen", um Caliban in der Realität festzunageln. Sobald Caliban nicht mehr "phasen" kann, ist er gegen die konzentrierte Feuerkraft der Moravecs (Laser, Plasmabrenner) letztlich unterlegen.  Er löst sich letztlich in das Nichts auf, aus dem er kam, als die Macht von Setebos von der Erde vertrieben wird.

Die Calibani

Die Calibani sind im Grunde genetisch manipulierte „Hunde“, die aus menschlicher DNA, Tier-Genen und Quanten-Nanotechnologie zusammengeflickt wurden. Sie sehen ihrem "Vater" ähnlich, sind aber meist kleiner und wirken noch insektenartiger oder krebsartiger. Sie bewegen sich oft in Schwärmen und haben eine chitinartige Textur, die sie im Schatten fast unsichtbar macht.

Die Altmenschin Savi glaubt zunächst, dass die Calibani das gemeinsame Werk von Prospero (dem Avatar der Logosphäre) und Ariel (dem Avatar der Biosphäre) sind Die Nachmenschin Moira enthüllt jedoch später die wahre Urheberschaft: Die Nachmenschen (NMs) hatten Prospero und seine damalige Gefährtin, die Hexe Sycorax, beauftragt, diese Kreaturen zu entwerfen. 

Der Hauptgrund für ihre Erschaffung war die Abwehr der Voynixe. Die Nachmenschen nutzten das eigentlich verbotene, trockengelegte Mittelmeerbecken insgeheim, um dort Depots anzulegen und Nahrungsmittel sowie Rohstoffe für ihre Orbitalringe anzubauen Als die Voynixe aus der Zukunft auf der Erde ankamen und sich rapide zu vermehren begannen, wurden die Calibani als wilde, unberechenbare Sicherheitsmaßnahme konzipiert. Sie sollten als Wächter fungieren und verhindern, dass die Voynixe in das Mittelmeerbecken strömten und die dortigen Anlagen der Nachmenschen zerstörten.

In den Büchern wird angedeutet, dass die Calibani ursprünglich sogar dazu gedacht waren, die Erde für die Post-Humanen „sauber“ zu halten, falls diese jemals zurückkehren wollten. Doch als die Post-Humanen durch ihre eigenen internen Konflikte und die Macht von Setebos dezimiert wurden, blieben die Calibani ohne ihre ursprünglichen Herren zurück und wurden zu den Schoßhunden des ultimativen Schreckens.

Science Fiction, Dan Simmons